Herausforderung

Die Bayern-Fass-Gruppe, als der Mitglied des Verband der deutschen Fass- und Industrieverpackungsrekonditionierung e.V. i agiert als einer der Marktführer in einem Sektor, der von Natur aus nachhaltig ist: der Rekonditionierung von Industrieverpackungen. Trotz dieses ökologischen Geschäftsmodells stand das Unternehmen vor der Herausforderung, dass die tatsächlichen CO2-Einsparungen gegenüber Neuware bisher eher auf Schätzungen als auf harten, wissenschaftlich validierten Daten beruhten. Mit dem wachsenden Druck durch die CSRD-Berichtspflicht sowie steigenden Anforderungen von Großkunden aus der Chemie- und Mineralölindustrie reichte ein allgemeines Nachhaltigkeitsversprechen nicht mehr aus.


Die zentrale Problematik lag in der Komplexität der Datenbeschaffung über mehrere Standorte hinweg. Es galt, die Emissionen nicht nur für den eigenen Betrieb (Scope 1 und 2) zu bestimmen, sondern auch die weitaus komplexeren vor- und nachgelagerten Prozesse in der Lieferkette (Scope 3) zu durchleuchten. Das Ziel war es, eine belastbare methodische Grundlage zu schaffen, die sowohl intern als strategisches Steuerungsinstrument dient als auch extern die Wettbewerbsfähigkeit durch zertifizierbare Transparenz sichert.


Lösung

Um diese Transparenz zu schaffen, implementierten wir einen ganzheitlichen Prozess zur Erstellung einer Treibhausgasbilanz für das Jahr 2024 nach dem international anerkannten GHG Protocol Standard. In einem ersten Schritt definierten wir die organisatorischen und operativen Systemgrenzen, um sicherzustellen, dass alle relevanten Standorte der Gruppe einbezogen werden. Durch eine Serie von Workshops sensibilisierten wir die Verantwortlichen vor Ort und starteten die Datenerhebung strukturiert. Dabei erfassten wir Energieverbräuche, Kraftstoffe und Kältemittel für die direkten Emissionen ebenso wie die komplexen Datenströme der Logistik und der Materialbeschaffung für Scope 3.


Ein weiterer Schwerpunkt der Lösung lag auf der Entwicklung eines spezifischen PCF-Tools (Product Carbon Footprint) für den Verband VDF. Dieses ermöglicht es u.A. der Bayern-Fass-Gruppe, den ökologischen Fußabdruck einzelner Produkte präzise zu kalkulieren. Durch den Aufbau eines maßgeschneiderten Carbon-Accounting-Tools schafften wir die Basis, um die erhobenen Verbrauchsdaten mit wissenschaftlich fundierten Emissionsfaktoren zu verknüpfen. Dies erlaubt es den Mitglieds-Unternehmen, die Ergebnisse grafisch nach Scopes, Standorten und Unternehmenseinheiten differenziert auszuwerten und so die größten Hebel für Reduktionsmaßnahmen zu identifizieren.


Ergebnis

Das Ergebnis des Projekts ist eine vollständige und audit-fähige Treibhausgasbilanz, die der Bayern-Fass-Gruppe eine klare objektive Sicht auf ihre Emissionsprofile gibt. Der wichtigste Erfolg ist die Fähigkeit, den Kunden nun exakte THG-Einsparungen kommunizieren zu können. Dies ist ein entscheidender Marktvorteil, da Kunden diese Daten für ihre eigene Scope-3-Bilanzierung zwingend benötigen. Die Bayern-Fass-Gruppe hat sich damit vom reinen Dienstleister zum strategischen Partner für die Dekarbonisierung ihrer Kunden entwickelt.


Neben der externen Wirkung liefert das Projekt intern einen klaren Fahrplan für den Klimaschutz. Durch die Identifikation der Hauptemissionsquellen (Hotspots) können nun gezielte Investitionen, beispielsweise in erneuerbare Energien oder effizientere Logistikrouten, getätigt werden. Zudem ist das Unternehmen nun bestens auf die kommenden gesetzlichen Berichtspflichten vorbereitet. Mit dem PCF-Tool wurde zudem aufgezeigt, wie VDF-Mitglieder künftig auf Knopfdruck produktbezogene Umweltkennzahlen liefern kann, was die Glaubwürdigkeit der Marke stärkt und Greenwashing-Risiken effektiv ausschließt.